Kunstwiesen: Mischungstypen

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Mischungs-Rezepte basieren auf dem «Ablöseprinzip»

Um dem Ziel eines über Jahre stabilen Kleeanteils zu genügen, haben die Forschungsanstalten (Agroscope) schon vor Jahrzehnten bei der Gestaltung der Mischungsrezepte ein taugliches Konzept entwickelt und bis heute in der Schweiz konsequent umgesetzt – das Konzept «Ablöseprinzip». Damit können für mehrjährige Kunstwiesen Rezepte zusammengestellt werden, die bei richtiger Bewirtschaftung gewährleisten, dass sie über die gesamte Nutzungsdauer eine optimale botanische Zusammensetzung aufweisen.

Das «Ablöseprinzip» konkret

In den Gras-Klee-Mischungen lösen sich einzelne Pflanzenarten im Verlauf der Zeit ab. Typischerweise bedecken schnellauflaufende Arten den Boden rasch und machen den Hauptanteil des Ertrags aus. Sie werden dann – nach der ersten Überwinterung – langsam schwächer. An ihre Stelle treten nahtlos die langsam aufgelaufenen und inzwischen erstarkten Arten. Im Idealfall und bei passender Bewirtschaftung ist so die Pflanzendecke stets geschlossen und ertragreich, und für Unkraut bleibt kein Platz.

Auflaufstarke Arten wie Raigräser und Rotklee entwickeln sich nach der Saat rasch und decken den Boden. Der Rotkleetyp «Ackerklee» stellt in G- und G*-Mischungen in Kürze den gewünschten Kleeanteil sicher. Weil Ackerklee aber nicht ausdauernd ist, wird er bald nach der ersten Überwinterung durch den Weissklee abgelöst. Gleiches geschieht bei den Gräsern: dem «schnellen» Raigras folgt das langsam auflaufende, aber zunehmend stärker werdende Knaulgras, das nach und nach zusammen mit z. B. Wiesenrispengras den Grasanteil im Bestand bestimmt.

Sind die Saatmengen von Rotklee und Raigräser zu hoch, dominieren diese Arten schon kurz nach der Anlage der Kunstwiese alle andern und unterdrücken besonders auflaufschwache Arten wie Wiesenrispengras so stark, dass diese «ersticken» und dann nach ein oder zwei Überwinterungen den für sie vorgesehenen Platz nicht mehr einnehmen können.

Nicht gesäte Arten wie Gemeines Rispengras, Löwenzahn und andere werden in Mischungen, die nach dem Ablöseprinzip zusammengestellt sind, bei optimaler Düngung und Nutzung weitgehend unterdrückt. Erst gegen Ende der für den Mischungstyp üblichen Nutzungsdauer nehmen sie zu.

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Besonderheiten

Mischungen ohne Knaulgras
Weil hier kein anderes Gras eine so aggressive Rolle spielen kann, nimmt der Weissklee oft ab dem zweiten Hauptnutzungsjahr stärker zu als in Mischungen mit Knaulgras.
 

Mischungen mit Wiesenrispengras
Dieses Gras entwickelt sich besonders langsam und kann sich im Bestand erst nach Jahren etablieren bzw. einen bedeutenden Anteil ausmachen. Es ist jedoch in der Lage, im Bestand zu «schlummern» und, sobald das Englische Raigras an Kraft einbüsst, an dessen Stelle zu treten. Entscheidend ist, dass sich das Wiesenrispengras im Bestand so weit entwickeln kann, dass es dann später das schwächer werdende Englische Raigras ersetzen kann.
 

Einfluss der Bewirtschaftung

Auf die botanische Zusammensetzung der Gras-Weissklee-Mischungen haben die Art und Häufigkeit der Nutzung sowie die Stärke und der Rhythmus der N-Düngung einen entscheidenden Einfluss. Deshalb kann z.B. der Anteil an Weissklee im Bestand deutlich schneller zu- oder abnehmen, als das in der Grafik für den Standardfall dargestellt ist.

Mehr zum Einfluss der Bewirtschaftung auf die Bestandesentwicklung ► Kapitel Kunstwiesen bewirtschaften.
 

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