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… zum futterbaulichen Wert der Wiesenpflanzen

Es ist eine Frage der jeweiligen Optik, welchen «Wert» und welchen Begriff wir einer Wiesenpflanze zuordnen.

Aus dem Blickwinkel der Ökologie, insbesondere der Erhaltung und Förderung der Biodiversität, ist eigentlich jede natürlich vorkommende Pflanze erwünscht. Eine Ausnahme bilden – sowohl für den Naturschutz wie für die Landwirtschaft - einzig die invasiven Neophyten, welche einheimische Pflanzen verdrängen und deshalb klar unerwünscht sind.

Anders sieht es aus rein futterbaulicher Sicht aus. Die Nutztiere sowie die Landwirte und Landwirtinnen unterscheiden zwischen erwünschten und unerwünschten Pflanzen in den Wiesen und Weiden. Die beiden grossen Gruppen der Futterpflanzen (Gräser, Kleearten und Futterkräuter) und der Geringwertigen Pflanzen (Gräser, wenige Kleearten, Kräuter) zählen zu den sehr erwünschten oder weniger geschätzten, aber tolerierten Pflanzen im Bestand.
Davon unterscheidet sich die Gruppe der «Problempflanzen». Zählen sie botanisch zur Gruppe der Gräser oder der grasartigen Pflanzen, sprechen wir von Ungräsern. Gehören sie zur Gruppe der krautigen Pflanzen, nennen wir sie Unkräuter. Auch zu den «Problempflanzen» zählen wir unerwünschte Sträucher.

Eine weitere Sichtweise gibt es aus der Volksmedizin und der Kulinarik. Für beide Bereiche existiert ein riesiger Wissens- und Erfahrungsschatz in der Literatur und als Erfahrungswert. Darin finden sich unzählige Angaben und Empfehlungen für unterschiedlichste Pflanzen des Graslands.

Weil eAGFF hauptsächlich Adressaten aus dem agronomischen und landwirtschaftlichen Praxis-Sektor ansprechen will, halten wir uns hier primär an folgende Begriffsstruktur:

  • Problempflanze
    Dachbegriff für alle im Grasland grundsätzlich unerwünschten Pflanzen.
     
  • Ungräser
    Untergruppe der Gräser und grasartigen Pflanzen unter den Problempflanzen im Grasland.
     
  • Unkräuter
    Untergruppe der Kräuter unter den Problempflanzen im Grasland.
     
  • Neophyten
    Untergruppe der invasiven (aggressiv-dominanten), gebietsfremden Problempflanzen im Grasland.
     
  • Unerwünschte Sträucher
    Untergruppe mit verholzenden Arten wie Zwergsträucher, Halbsträucher (unten verholzt, oben krautig), Sträucher (z.B. Grünerle Alnus viridis) und baumartige Pflanzen (z.B. Leg-Föhre Pinus mugo Turra subsp. mugo) im Grasland.
     
  • Zwergsträucher
    Verholzte, ausdauernde Pflanzen, höchstens rund 1 Meter hoch. Oft in Alpweiden nahe oder oberhalb der Waldgrenze. Beispiele:

… zur Bestandeslenkung im Grasland

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die botanische Zusammensetzung von Wiesen und Weiden zu beeinflussen. In eAGFF verwenden wir dafür folgende Begriffe:

  • Bestandeslenkung / Unkrautregulierung / Sanierungsmassnahmen
    Dachbegriffe für alle Massnahmen zur Steuerung der Anteile der Arten im Grasland in die gewünschte Richtung.
     
  • Indirekte, vorbeugende Massnahmen
    Das ist der präventive Teil der Unkrautregulierung. Dazu gehört das Einhalten / Fortführen der «guten futterbaulichen Praxis», das Vermeiden einer «unsorgfältigen futterbaulichen Praxis» und gezielte vorbeugende Massnahmen.
    Alle diese Bewirtschaftungsentscheide sind nicht spezifisch auf bestimmte einzelne Problempflanzen ausgerichtet. Sie zielen vielmehr darauf ab, dass die botanische Zusammensetzung der Wiesen und Weiden gut und stabil bleibt und eine Verunkrautung gar nicht erst einsetzt.
     
  • Direkte Bekämpfung
    Gegen gewisse Ungräser und Unkräuter reichen indirekte und konkrete vorbeugende Bewirtschaftungsmassnahmen nicht aus, um sie an ihrer Ausdehnung zu hindern oder zurückzudrängen. Es sind direkte Bekämpfungsschritte erforderlich. Dabei unterscheiden wir zwischen der mechanischen und der chemischen Regulierung.
     
  • Übersaat
    Bei der Übersaat wird geeignetes Saatgut in einem günstigen Zeitfenster mit einer bestimmten Technik auf eine lückige Pflanzendecke in Wiesen oder Weiden ausgebracht. Je nach Situation zählt sie zu den vorbeugenden oder zu den direkten Sanierungsschritten.
     
  • Neuansaat
    Wenn ein Grasland-Bestand mit allen anderen Methoden nicht mehr verbessert werden kann, bleibt nur noch die einschneidendste Sanierungsmassnahme, die Neuansaat.

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