Vegetationszeit
Standörtliche und klimatische Voraussetzungen für Wachstum und Konservierung von Raufutter
Als thermische Vegetationszeit gilt in der Wissenschaft die Periode des Jahres, in der die Temperatur das Wachstum der Pflanzen ermöglicht. Sie variiert zwischen Tal- und Berglagen in Abhängigkeit der gemessenen durchschnittlichen Jahrestemperatur. Gemäss Agroscope (2023) beträgt sie im Zeitfenster 1991 – 2020 in der Schweiz im Durchschnitt:
| Region | Dauer |
|---|---|
| In den tieferen Lagen: Mittelland | 235 Tage Spanne: 210 – 260 |
| In mittleren Lagen: Voralpen und Jura | 185 Tage Spanne: 160 – 210 |
| In hohen Lagen: Alpen | 135 Tage Spanne: 110 – 160 |
Weil die durchschnittliche Jahrestemperatur seit den 1980er Jahren deutlich ansteigt, ist die thermische Vegetationszeit heute klar länger als früher. Der frühere Frühling und das spätere Ende des Herbstes bewirkten in ~40 Jahren eine Verlängerung von ~30 Tagen.
Die Konsequenzen steigender durchschnittlicher Jahrestemperaturen und einer längeren thermischen Vegetationszeit in der Schweiz führen zu futterbaulichen Vor- und Nachteilen:
Positive Punkte
- In der Tendenz sind längere Grün- und verkürzte Winterfütterungsperioden in allen Höhenlagen möglich ⇒ betriebswirtschaftlich positiv.
- Der Weidebeginn im Frühjahr kann – bei optimalen übrigen Rahmenbedingungen – immer früher starten ⇒ betriebswirtschaftlich und für das Tierwohl positiv.
Neutral
- Unter der Annahme, dass das Raufutter für die Silage oder das Heu (erster Aufwuchs) im optimalen Entwicklungsstadium geschnitten werden soll, erfolgt dies, über die Jahre gesehen, immer früher.
- In der Tendenz können wärmeliebende Futterpflanzen – landwirtschaftlich erwünschte und unerwünschte – in zunehmend höherer Meereshöhe vorkommen.
Negative Punkte
Das Risiko von schlechteren Niederschlagsbedingungen für die Futterproduktion mit langen Trockenheitsperioden und starker Hitze steigt an:
- Je nach Lage des Betriebs und Dauer der Trockenheit treten mehr und längere Zeiten ohne Futterzuwachs auf ⇒ es muss auch im Sommer konserviertes Raufutter verfüttert werden ⇒ vorsorglich muss trotz längerer Vegetationsperiode zusätzlich Raufutter konserviert werden ⇒ diese «Trockenheits-Reserve» verursacht Mehrkosten.
- Ist die Trockenheit und damit die Wachstumseinbusse im Sommer weniger extrem, kann ein wüchsiger Herbst oft das Sommermanko kompensieren und der Jahresertrag leidet kaum. Aber zwei Konsequenzen bleiben:
- Sowohl Silieren wie Dürrfutter bereiten ist im Herbst bei kürzeren und feuchteren Tagen häufiger zu Qualitätseinbusse als im Sommer.
- Das Herbstfutter weist meistens deutlich mehr Klee und weniger Gräser auf.
- In Lagen, die in «Normal-Jahren» als raigrasfähig gelten, leiden diese hochwertigen Futtergräser in strengen Trockenperioden sehr → mehr Verunkrautung, mehr Hirsen und Ausläufer-Straussgras.
- In Trockenperioden hat die Gülle eine schlechtere Düngewirkung als üblich.