Futterverluste beim Lagern und Füttern von Raufutter
Mögliche Verluste ab dem Zeitpunkt des Einlagerns bis zur Verfütterung des konservierten Futters:
1. Verluste auf dem Stock bei Belüftungsheu
Im belüfteten Dürrfutterlagerraum treten bei richtiger Bedienung der Anlage nur geringe und nur kurzfristige Temperaturerhöhungen – infolge der «Heugärung» – auf.
Diese Gehaltsverminderung ist minim, die Farbe des Futters bleibt grünlich und die Schmackhaftigkeit bleibt erhalten.
2. Normale Verluste auf dem Stock bei Bodenheu
In einem unbelüfteten Dürrfutterlager macht auch optimal trocken geerntetes Bodenheu (~ 80% TS-Gehalt beim Einführen) eine natürlliche Nachtrocknung, eine «Heugärung» durch, die zu Gehaltsverlusten führt. Die am Futter haftenden Mikroorganismen führen ihre Stoffwechseltätigkeit auf dem Stock noch weiter und das Futter erwärmt sich dadurch vorübergehend auf 30 – 50°C. Als Konsequenz trocknet das Dürrfutter noch bis ~ 88% TS-Gehalt nach, verliert also noch etwas Wasser, bevor die Mikroorganismen absterben. Bei diesem Trockenheitsgrad ist das Pflanzenmaterial lagerfähig.
Die wärmere Luft entzieht dem Heu im Innern des Stocks Wasser, bewegt sich nach aussen in die kühleren Randzonen und gibt dort Feuchtigkeit ab ⇒ der Heustock «schwitzt».
Dieser Nachtrocknungs-Prozess verleiht dem Heu den typischen Geruch, der die Schmackhaftigkeit und die Futteraufnahme verbessert. Allerdings werden schon bei dieser natürlichen Nacherwärmung Vitamine im Futter beeinträchtigt. Dauert die «Heugärung» zu lange, entstehen grössere Gehaltsverluste.
Nach der «Heugärung» fällt die Temperatur des nun stabil trockenen Heus auf unter 30°C.
3. Verluste in überhitzten Dürrfutterstöcken und Ballenlagern
Wird ungenügend getrocknetes Dürrfutter in grosser Menge in einen unbelüfteten Lagerraum eingeführt und / oder unsorgfältig abgeladen bzw. mit zu viel Wassergehalt gepresst, entsteht ein für die Mikroorganismen ausserordentlich günstiges Milieu, in dem sie ihre biologische Aktivität so stark entwickeln können, dass sich das Futter auf 60 bis über 70°C erhitzt.
Diese Überhitzung bedeutet eine enorme Entwertung der Futterqualität:
- Der Energiegehalt kann um mehr als 1 MJ / kg TS sinken,
- 30 – 50% des Proteins werden unverdaulich,
- Die Vitamine sind vernichtet,
- Die Hitze karamelisiert den Zucker mit dem Protein im Futter ⇒ das Futter wird braun,
- Die feuchteren Partien verschimmeln und produzieren toxische Stoffe.
Kontrollieren Sie den Heustock - insbesondere bei Bodenheu – und das Ballenlager
- Wenn Sie den Dürrfutterstock barfuss begehen, stellen Sie besser fest, ob er trocken oder feucht ist. Sie spüren, ob sich der Stock / Ballenstapel übermässig erwärmt hat und wo allenfalls die zu stark erwärmten und feuchten Stellen sind.
- Sehr nützlich bei der Überwachung ist eine Wärmebildkamera. Einfach einsetzbar, wenn ein Futterkran vorhanden ist.
- Mit der Heugabel da und dort etwas Futter anheben ⇒
- riecht es nach «frischem Heu», verläuft die Nachtrocknung normal,
- stellen Sie einen Geruch nach Caramel oder «Angebranntem» bei gleichzeitig starkem «Schwitzen» des Futters fest, ist eine Überhitzung des Stocks / Ballenstapels im Gang.
- Weist die Stockoberfläche unüblich eingesunkene Stellen auf, deutet dies auch auf eine Erhitzung des Futters im Kern des Lagers hin.
Sehr wichtig!
Nicht versuchen, selber am gefährdeten Heustock / Ballenstapel zu arbeiten, weil die akute Gefahr besteht, dass Sauerstoff an das tiefer liegende heisse Material gelangt und dieses spontan zu brennen beginnt. Solche Arbeiten sind nur unter Aufsicht der Feuerwehr zulässig.
Achtung Gefahr!
In einem überhitzten Heustock oder Ballenlager lauert die Gefahr, dass es zur Verkohlung und – im schlimmsten Fall – zur Selbstentzündung des Futters kommen kann. Die Bereiche im Stock / am Stapel, die am ehesten und raschesten überhitzen, sind: Kern und unterer Teil des Lagers, Abwurfstellen von Gebläse und Futterkran.
Wenn deutliche Anzeichen von Überhitzung vorliegen, besteht akute Selbstentzündungsgefahr ⇒ unbedingt die Feuerwehr alarmieren!
Mehr zu Kontrollen bei belüfteten Dürrfutterstöcken ► im Kapitel Raufutter trocknen
Wenn Sie Temperaturmessungen am Dürrfutterstock / im Ballenlager durchführen können, lassen sich folgende Risiko- bzw. Gefahrenstufen und Massnahmen ableiten:
4. Verluste im Silo durch Fehlgärungen
Wenn beim Gärprozess im Silo nicht die gewünschten Milchsäurebakterien, sondern unerwünschte Mikroorganismen wie Buttersäurebakterien oder Fäulniserreger die Oberhand gewinnen, sprechen wir von Fehlgärungen. Der Futterzucker wird nicht in die wertvolle Milchsäure umgewandelt, sondern zum Beispiel in die unerwünschte und stinkende Buttersäure.
Eine Fehlgärung tritt nicht zufällig ein. Sie ist die Konsequenz, wenn die gängigen Silierregeln nicht eingehalten werden (z.B. stark verschmutztes Ausgangsmaterial) oder sich das Futter nicht für die Silagebereitung eignet.
Fehlgärungen verschlechtern die Futterqualität massiv. So kann der Energiegehalt in der Silage um 0.5 – 1 MJ NEL / kg TS tiefer liegen als im Ausgangsmaterial. Zudem kann Silage mit Fehlgärung penetrant stinken (und in der Folge den Geschmack der Milch beinträchtigen) oder verfaulen (mit Bildung toxischer Stoffe). Sie darf nicht mehr verfüttert werden.
► Mehr zu erwünschten und unerwünschten Gärungen im Silierprozess (Link)
► Mehr zu den ► Silierregeln und weiteren Massnahmen zur Vermeidung von ► Fehlgärungen.
5. Weitere Verluste im Silo
Nachgärungen
Sie treten im Gegensatz zu primären ► Fehlgärungen erst nach dem Öffnen des Silos auf. Verursacher sind die natürlicherweise am Futter haftenden und mit einsilierten Hefen, welche grundsätzlich mit oder ohne Sauerstoff leben können. Erst beim Anschneiden der Silage für die Verfütterung profitieren sie vom plötzlichen Luftzutritt und vermehren sich explosionsartig. Ihr optimales Milieu sind Silagen mit gutem Zucker- und Milchsäuregehalt, oft stark angewelkt, teils ungenügend zerkleinert oder nicht sehr kompakt verdichtet.
Dort verwandeln sie den Restzucker und die Milchsäure in CO2 und Wasser. Das Futter wird warm und die Energieverluste können 15% oder mehr betragen. Weil gleichzeitig auch der pH-Wert wieder ansteigt, entstehen günstige Bedingungen für andere Mikroorganismen wie Schimmelpilze oder Fäulnisbakterien. Im schlimmsten Fall verdirbt die Silage total.
Mehr zu Massnahmen zur Vermeidung und Behandlung von ► Nachgärungen.
Verschimmelung des Futters
Schimmelpilze brauchen Sauerstoff zum Leben. Ein hohes Risiko für Verschimmelung der Silage existiert, wenn …
- ein Silo nicht luftdicht abgeschlossen ist,
- die Silage sehr trocken und nicht genügend verdichtet ist,
- bei geringer Entnahmemenge die Oberfläche der Silage lange der Luft ausgesetzt ist (bei hohen Temperaturen besonders negativ).
Verschimmelte Silage fällt durch ihren muffigen Geruch auf.
Schimmelpilze können Giftstoffe (Mykotoxine) bilden, was bei Tieren zu vermindertem Futterverzehr, Blähungen oder schwerwiegenden Verdauungsstörungen führt. Silage mit Schimmelpilzen darf nicht mehr verfüttert werden.
Mehr zu Massnahmen zur Vermeidung ► verschimmelter Silage.
Verluste durch Gärsaft
Wo ► Nasssilage hergestellt wird (zum Beispiel bei langandauernd schlechtem Wetter, im Herbst, bei Zwischenfutter), können dem Futter mit dem abfliessenden ► Gärsaft grosse Mengen an Nähr- und Mineralstoffen verloren gehen. Insbesondere der leicht lösliche Zucker ist rasch abgeflossen und fehlt den Milchsäurebakterien für den erwünschten Gärungsprozess. ► Gärsaft kann beim Silieren von «nassem» Futter auch bei der Herstellung von Rundballen abfliessen.
Bei angewelktem Futter, das mit einem TS-Gehalt von >30% siliert wird, entsteht in der Regel kein abfliessender ► Gärsaft.
6. Fütterungsverluste, Krippenverluste
Bei qualitativ schlechtem Futter, mangelnder Sauberkeit und schlechter Fütterungstechnik können, unabhängig vom durchlaufenen Konservierungsprozess, nochmals zusätzliche Mengenverluste beim verfügbaren Raufutter auftreten. Durch diverse Einflüsse geht der Verzehr zurück, die Tiere fressen das Futter nicht vollständig, wertvolle Nährstoffe werden vergeudet.