Wildtiere und Kleinlebewesen schonen
Wenn eine Wiese geschnitten wird, bedeutet das für die darin lebende Fauna – ob grosse oder kleine Tiere – einen radikalen Eingriff. Mit einem Schlag fehlen Nahrung, Schutz vor Feinden und der Platz für das Leben und die Entwicklung. Zudem werden die Tiere oft verletzt oder getötet.
Umfassende Informationen mit Broschüren, Merkblättern und Videos: ► Schlaumähen.ch
Grosswild schonen
Gefährdet durch Mähmaschinen sind in den Wiesen vor allem Rehkitze, junge Feldhasen, bodenbrütende Vögel oder sogar Füchse.
Das Reh lebt in der halboffenen Landschaft, wechselt zwischen Waldrand und Grasland. Die Rehgeiss bringt im Mai / Juni in der Regel zwei Kitze zur Welt. Nach der Geburt legt sich das Rehkitz für zwei bis vier Wochen ins hohe Gras und verharrt dort reglos, weil es noch nicht die Flucht ergreifen kann. Die Rehmutter kehrt regelmässig zu den Kitzen zurück, um sie zu säugen.
In dieser Zeit wird oft das Gras für die Dürrfutterernte geschnitten.
Ohne Vorsichtsmassnahmen ist das Risiko sehr gross, dass Rehkitze den Mähmaschinen zum Opfer fallen.
Geeignete Massnahmen bei Parzellen, in denen potenziell Rehwild, Hasen oder bodenbrütende Vögel leben können:
- Herkömmliche Methoden: Die Tiere an den Vortagen / am Vorabend …
- «Verblenden» (aufschrecken) → Mit Tüchern, Säcken, Folien, Baustellen-Warnblinkern, usw.
- «Verwittern» → Verbreiten von unangenehmem, Gefahr signalisierendem Geruch in der Wiese
- Diese Massnahmen sind mit den lokalen Jägern abzusprechen.
- Aktuell sicherste und effizienteste Methode:
- Suchen der Rehkitze mit der Wärmebildkamera am Multikopter (Drohne) aus er Luft.
- Mehr Informationen zur Methode und zur Bestellung der Dienstleistung: hier.
- Grundsätzliche Empfehlungen
- Die Wiese am Vorabend anmähen: die Rehgeiss wird alarmiert und holt das Rehkitz aus der Wiese, um es zu schützen.
- Die Parzelle von innen nach aussen oder konsequent nur von einer Seite her (von der Seite Weg / Strasse in Richtung Waldrand) mähen: den Tieren bleibt so die Möglichkeit zur Flucht.
- Die Schnitthöhe des Mähgeräts auf mindestens 7 Zentimeter (besser: 10 – 12 cm) einstellen: Nester mit jungen Hasen oder bodenbrütenden Vögeln werden so verschont.
Weitere Informationen: Rehkitzrettung.ch
Kleinlebewesen schonen
Während Rehe, Hasen, Vögel und andere grössere Wildtiere in oder nahe der Wiese einigermassen gut – insbesondere mit technischen Hilfsmitteln - erkennbar sind, übersieht man dagegen Eidechsen, Frösche, Schmetterlingsraupen, Spinnen und Insekten im Lebensraum Wiese leicht.
Aber diese Tiere haben einen hohen Nutzen in der Landwirtschaft: Sie bestäuben Pflanzen, fressen Schädlinge, verarbeiten abgestorbenes pflanzliches Material und üben zahlreiche andere Funktionen aus, welche für die Erhaltung und Förderung der Biodiversität unabdingbar sind.
⇒ Es lohnt sich für Sie als Bewirtschafterin / Bewirtschafter des Graslandes zu dieser Fauna Sorge zu tragen!
Geeignete Schutzmassnahmen
- Die Wiese am frühen Morgen oder am späten Abend mähen. Zu diesen Zeiten sind viele Kleinlebewesen weniger aktiv als in den wärmsten Stunden.
- Einige Meter breite Grasstreifen am Rand und / oder im Innern der Parzelle ungemäht stehen lassen oder abwechselnd im nächsten Aufwuchs schneiden (Altgrasstreifen). Aus diesen Teilflächen heraus können die Kleinlebewesen die gesamte Wiese wieder besiedeln.
Diese Massnahme ist auch im intensiv bewirtschafteten Grasland sinnvoll. Ersatzweise ist wenigstens darauf zu achten, dass nicht alle Parzellen in der näheren Umgebung gleichzeitig geschnitten werden.
Für frisch angesäte Kunstwiesen im ersten Standjahr wird die Massnahme nicht empfohlen → Verschlechterung des Pflanzenbestandes, «Magnet» für Mäuse. - Ähnlich wie zum Schutz der grösseren Wildtiere eröffnet das Schnittregime in der Parzelle «von innen nach aussen» auch mobilen Kleinlebewesen (z.B. Heuschrecken) eine Fluchtmöglichkeit.
- Intensive Bearbeitungsgänge reduzieren die Überlebenschancen der Kleinfauna in der Wiese massiv. Am schonendsten arbeitet das Messerbalken-Mähwerk. Bei Rotationsmähwerken sind die Verluste deutlich höher, auch weil diese Geräte infolge der hohen Messergeschwindigkeiten eine Sogwirkung erzeugen und so die Kleinlebewesen in die Gefahrenzone saugen. Mähaufbereiter töten weitere Kleinlebewesen ab.
Weitere Einzelheiten und Empfehlungen: Website Schlaumaehen.ch/Tippsoder Broschüre Schlaumähen.
Tipps!
- Bearbeiten Sie das Erntegut der Wiese nur so oft und so intensiv, wie unbedingt nötig!
- Mähen Sie Biodiversitätsförderflächen und andere extensiv bewirtschaftete Wiesen mit Messerbalken-Mähwerken.
- Setzen Sie für die Pflege von Randflächen und Böschungen möglichst keine Schlegelmulchgeräte und Motorsensen ein.